36 Thesen für das Überleben der Prozessindustrie — DECHEMA e.V.

Wie muss die Prozessindustrie auf die Digitalisierung reagieren, damit sich auch in 20, 50 oder 100 Jahren noch eine Rolle spielt? Dieser Frage widmeten sich etwa 100 Experten und Entscheider aus der Chemie- und Prozessindustrie beim 57. Tutzing-Symposion „100% digital: Überlebensstrategien für die Prozessindustrie“. Organisiert wurde die Veranstaltung vom DECHEMA e.V. und der ProcessNet-Fachgemeinschaft Prozess-, […]

über 36 Thesen für das Überleben der Prozessindustrie — DECHEMA e.V.

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NaWuReT- und YoungGeCatS-Summer School 2018: Kreativität für „Dream Reactions“

von Gregor Wehinger

Die Idee der Summer School war es, beide Disziplinen, also Reaktionstechnik und Katalyse, zusammen zu bringen. Nur so kann das volle Potential katalytischer Reaktionen ausgeschöpft werden. Die eingeladenen Sprecher aus der Industrie, z.B. Evonik, Covestro, Lonza, Fraunhofer, Linde und Clariant, zeigten in ihren Vorträgen konkrete Beispiele auf und unterstrichen die Bedeutung einer gemeinsamen Problemlösung.

„Ich bin auf die Summerschool durch Newsletter aufmerksam geworden. Mich hat die große Bandbreite der adressierten Themen angesprochen und vor allem die Verbindung zwischen Reaktionstechnik (NaWuReT) und Katalyse (YounGeCatS). Ich finde, es ist ein tolles Format, dass diese beiden Disziplinen zusammen eine Summer-School organisieren.
Neu waren für mich die Einblicke, die die Industrievertreter in ihren Vorträgen präsentierten. Das ist so in klassischen Vorlesungen oder auf Konferenzen nicht abgedeckt.
Am meisten Spaß hat mir die Gruppenarbeit bereitet, die sich über die gesamte Summer-School zog. Besonders spannend fand ich dabei, dass die Gruppe aus unterschiedlichen Disziplinen, Universitäten und Ländern bestand.
Für meine tägliche Arbeit kann ich von der Summer-School Aspekte der Datenanalyse mitnehmen. Daran hatte ich bisher nicht gedacht. Der Vortrag über dieses Thema hat mir gut gefallen.
Dieses Format kann ich Doktoranden aus beiden Bereichen, Reaktionstechnik und Katalyse, empfehlen.“

Doktorand aus Belgien

Los ging es am Montag mit einer Kreaktiv-Session geleitet von Dr. Julia Gumula. Sie untersuchte in ihrer Promotion u.a. die Wirksamkeit von Brainstorming in der Ideenfindung, weshalb ihr Vortragstitel auch trefflicher Weise „Brainstorming go to hell!“ hieß. Eine selbstgewählte Aufgabenstellung wurde von Kleingruppen mit Hilfe der Kreativtechnik Design-Thinking gelöst.

Ab dem zweiten Tag wurden von je zwei Kleingruppen nachhaltige Prozesse entwickelt für (1) die Ammoniakherstellung ohne fossile Energieträger, (2) effizientes Power-to-X-Verfahren und (3) die Reduzierung des CO2-Fußabdrucks mit Hilfe elektrochemischer Prozesse. Die Kleingruppen entwickelten sehr engagiert kreative Lösungen zu diesen wichtigen Fragestellungen. Am letzten Tag der Summer-School wurden die Ergebnisse der Kleingruppen möglichst kreative vorgetragen. Das Gewinnerteam, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer stimmten darüber selbst ab, stellte ihre Lösung anhand eines Job-Interviews vor.

„Ich wurde auf die Summerschool aufmerksam über die Website der ProcessNet. Ich bin selbst Chemikerin und promoviere jetzt im Bereich der Reaktionstechnik(Ingenieurwesen). Deshalb habe ich diese Verbindung der Summer-School sehr spannend gefunden.
Am Format fand ich im Speziellen die interaktiven Phasen sehr gelungen. Vorträge als direkten Input haben mir dabei geholfen eine neue Perspektive einzunehmen, auch, da Ingenieure aus der Industrie Vorträge hielten. Leider ist der thematische Link zwischen Gruppenarbeit und Vortrag nicht deutlich gewesen.
Am meisten Spaß hat mir die Kreativsession am ersten Tag der Summer-School bereitet. Im Speziellen die kreative Kurzpräsentation, da diese Art von Kreativität in meinem Arbeitsalltag leider zu kurz kommt.
Aus der Summer-School nehme ich mit: unterschiedliche Reaktortypen, die von der Industrie vorgestellt wurden und der detaillierte Modellierungsansatz mit Computational Fluid Dynamics, den Prof. Wehinger vorstellte.
Ich kann die Summer-School sehr empfehlen und hoffe, dass die Thematik auf die Elektrochemie ausgeweitet wird.“

Doktorandin aus Aachen

Wir, als Orga-Team, haben uns sehr darüber gefreut, dass die Teilnahme so zahlreich war – die Summer-School war ausgebucht. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren super engagiert und motiviert und überzeugten mit ihren Ideen und kreativen Präsentationen. Unser Konzept, beide Nachwuchsgruppen in einer Summer-School zu bündeln, fand großes Interesse, wie auch die beiden Interviews zeigen. Dabei war uns neben der akademischen Sichtweise auch die industrielle sehr wichtig. Großen Spaß hat mir der Austausch mit den Doktoranden gemacht. Die Kreativitätstechniken werde ich in meinem Arbeitsalltag anwenden.

Eine Neuauflage soll es in zwei Jahren geben, wobei die Zielgruppe Doktoranden und Young Professionals sind.

Orga-Team der Summer-School: (1) Prof. Dr.-Ing. Gregor Wehinger, TU Clausthal, Sprecher der NachwuchsReaktionsTechnik (NaWuReT) (2) Prof. Dr. Dirk Ziegenbalg, Universität Ulm, ehemaliger Sprecher NaWuReT (3) Prof. Dr. Roland Marschall, Universität Bayreuth, Sprecher der Nachwuchsgruppe der Deutschen Gesellschaft der Katalytiker YounGeCatS.

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Nachlese ProcessNet-Jahrestagung und 33. DECHEMA-Jahrestagung der Biotechnologen

Vorfreude

Abendvortrag

Eröffnungsveranstaltung

Preise und Ehrungen

Ausstellung

Vorträge

Berichterstattung

Und drumherum…

Und jetzt? Nicht verpassen – Call for Paper für die Jahrestreffen der ProcessNet-Fachgruppen im Frühjahr 2019!
Alle weiteren Treffpunkte für Verfahrenstechniker und Biotechnologen immer aktuell im Veranstaltungskalender – wann sehen wir uns?

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Jahrestreffen 2019 der ProcessNet-Fachgruppen – Beitragseinreichung geöffnet

Haben Sie den Kalender für das Frühjahr 2019 zur Hand? Dann planen Sie jetzt Ihre Beteiligung am Jahrestreffen Ihrer ProcessNet-Fachgruppe ein. Die Beitragseinreichung ist geöffnet – stellen Sie Ihre Forschungsergebnisse vor, aber auch geplante oder noch nicht abgeschlossene Projekte, und diskutieren Sie mit anderen Experten aus Ihrer Community. Mehr zu den Terminen und Schwerpunktthemen finden Sie hier – wir freuen uns auf Ihren Beitrag!


18.-20. Februar 2019, Freiberg

Adsorption und Hochdruckverfahrenstechnik

Neuentwicklungen bei Materialien, Thermodynamik und Kinetik, aber auch chromatographische Fragestellungen und hybride Verfahren stehen im Fokus der Adsorption. Bei der Hochdruckverfahrenstechnik geht es um die Grundlagen über Reaktionen und Prozessintensivierung bis hin zu Maschinen und Sicherheit sowie um Elektrochemie und Elektrokatalyse unter hohem Druck. Beitragseinreichung bis 10. Oktober 2018 


5.-7. März 2019, Lausanne

Agglomerations- & Schüttguttechnik und Lebensmittelverfahrenstechnik

Ob Prozesstechnik oder Produkteigenschaften, alle Beiträge zur Lebensmitteltechnologie und –verfahrenstechnik sind willkommen. In der Agglomerations- und Schüttguttechnik geht es besonders um mehrskalige Simulationswerkzeuge und Messmethoden zur Charakterisierung von Produkteigenschaften und Prozessdynamik sowie um neue Apparate- und Maschinenentwicklungen. Das Nestlé Research Center in Lausanne bietet einen besonderen Rahmen für dieses gemeinsame Jahrestreffen; Vortragssprache ist Englisch. Hier geht es zur Beitragseinreichung.


6.-8. März 2019, Dresden

31. Deutsche Zeolith-Tagung

Zeolithe und verwandte mikro- und mesoporöse Materialien wie poröse Kohlenstoffe, metallorganische Gerüstverbindungen, poröse Oxide und poröse Polymere stehen im Fokus. Neben der Vielfalt der Synthesekonzepte geht es um Entwicklungen neuer Charakterisierungsverfahren und die Erschließung neuer Anwendungsfelder dieser spannenden Materialklassen. Beitragseinreichung bis 3. Dezember 2018


6.-8. März 2019, Frankfurt​​​​​​​

Energieverfahrenstechnik und Thermische Energiespeicherung

Im Kontext der Energiewende haben die Energieverfahrenstechnik und die Frage, wie sich Energie speichern und in Prozesse zurückspeisen lässt, neue Bedeutung gewonnen. Für das Jahrestreffen sind Beiträge zu allen Bereichen der Energieverfahrenstechnik und der thermischen Energiespeicherung willkommen, sowohl aus der Grundlagenforschung als auch aus der praktischen Anwendung. Hier geht es zur Beitragseinreichung


6.-7. März 2019, Frankfurt

Partikelmesstechnik und Aerosoltechnologie

Online-Messmethoden, Automatisierung, innovative Auswerteverfahren und innovative Messmethoden – Themen im Kontext von Industrie 4.0 stehen bei diesem Treffen ebenso im Fokus wie Nukleations- und Kondensationsprozesse, die Einstellung von Partikeleigenschaften und Verfahren und Anlagen für die technische Produktion funktioneller Partikel. Hier geht es zur Beitragseinreichung


7.-8. März 2019, Frankfurt

Molecular Modelling Workshop

The international MolMod workshops provide a unique opportunity for discussing the latest state of the art developments in the field of molecular modeling and simulation. Addressing scientific as well as practical problems, various topics and applications are considered, including simulation tools, multiscale modeling, physico-chemical properties and nanoscale processes. More information and submission of abstracts


12.-13. März 2019, Bamberg

Kristallisation, Zerkleinern & Klassieren, Grenzflächenbestimmte Systeme & Prozesse

Das gemeinsame Jahrestreffen zielt auf einen intensiven Austausch zwischen Industrie, Forschungseinrichtungen und Hochschulen dieser drei Fachdisziplinen. Im Fokus stehen Berichte über experimentelle Ergebnisse, theoretische Ansätze und numerische Methoden bis hin zur apparativen Umsetzung und die Entwicklung neuer Gesamtprozesse sowie alles, was für die Fachgebiete von Interesse ist. In parallelen thematischen Vortragssessions und Postern werden Beiträge aus allen Bereichen der drei Fachgebiete vorgestellt. Beitragseinreichung bis 19. Oktober 2018


13.-15. März 2018, Weimar

52. Jahrestreffen Deutscher Katalytiker

The meeting has become one of the most important European events in catalysis. For the 2019 edition, renowned plenary speakers from academia and industry have been invited, setting additional highlights in the excellent scientific programme of the conference. Furthermore, we encourage especially young scientists to use the opportunity to gain experience in presenting their scientific results and discussing these with their academic peers. Paper Submission is open until 19 November 2018


14.-15. März 2019, Bamberg

Mechanische Flüssigkeitsabtrennung und Gasreinigung

Von experimentellen Ergebnissen über theoretische Ansätze und numerische Methoden bis hin zur apparativen Umsetzung und zur Entwicklung neuer Gesamtprozesse geht es um alles, was für die Fachgebiete von Interesse ist. Für die gemeinsame Plenarsitzung sind besonders Beiträge zu Analysen von geometrischen Strukturen von abgeschiedenen Partikelsystemen, Haftung und Wechselwirkung zwischen Filtermedien und Partikelsystemen sowie numerische Methoden zur Kopplung von Partikel- und Fluidbewegung willkommen. Zusätzlich werden aber auch alle anderen Bereiche der beiden Fachgebiete abgedeckt. Beitragseinreichung bis 19. Oktober 2018


18.-20. März 2019, Essen

Trocknungstechnik, Mischvorgänge,  Wärme- & Stoffübertragung

Thermische Trocknung aus Sicht von Wissenschaft und Praxis, grundlegende Arbeiten zur Wärme- und Stoffübertragung ebenso wie ingenieurtechnische Anwendungen und Mischvorgänge mit und ohne chemische Reaktionen sowie Wärme- und Stofftransport stehen  auf dem Programm dieses Jahrestreffens. Dabei liegt besonderes Augenmerk auf Produktqualität und Anwendungen in Industrie und Life Sciences. Beitragseinreichung bis 5. Oktober 2018


18.-19. März 2019, Frankfurt

Abfallbehandlung & Wertstoffrückgewinnung und Rohstoffe

Spätestens seit den Diskussionen über Rohstoffwende und Circular Economy genießt dieser Forschungszweig höchste Aufmerksamkeit. Beim Jahrestreffen geht es um die neuesten Anwendungen und Erkenntnisse aus Industrie und Forschung. Besonders willkommen sind Einreichungen, die nicht nur die technologische Weiterentwicklung aufzeigen, sondern auch die technische und wirtschaftliche Umsetzbarkeit diskutieren. Beitragseinreichung bis 19. Oktober 2018


18.-20. März 2019, Frankfurt

Computational Fluid Dynamics

Das Jahrestreffen steht diesmal unter dem Motto „Potential und Entwicklungsbedarf von CFD für die Verfahrenstechnik“. Während der zweitägigen Tagung sind mehrere Plenarvorträge zu dem Motto geplant. Außerdem wird am Vortag ein OpenFOAM Workshop mit Podiumsdiskussion stattfinden. Beiträge zum Schwerpunkt wie zu allen anderen Themen der CFD können hier sowohl in deutscher wie in englischer Sprache eingereicht werden.

(Bildquelle: By Novel Concepts Inc – http://www.novelconceptsinc.com, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=46942767)

27.-29. März 2019, Potsdam

Fluidverfahrenstechnik und Membrantechnik

Beiträge zu Scale-up, zu hybriden und integrierten Prozessen sowie zu Simulation und Modellierung stehen im Mittelpunkt, aber auch Vorträge und Poster zu anderen aktuellen Trends der beiden Fachgebiete sind willkommen! Das Jahrestreffen wird gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Membrantechnik organisiert.
Beitragseinreichung bis 23. Oktober 2018


2.-3. April 2019, Karlsruhe

Hochtemperaturtechnik

Die Organisatoren freuen sich über Beiträge zu allen fachgruppenrelevanten Themen, besonders solche mit Übersichtscharakter. Ein besonderer Schwerpunkt liegt in diesem Jahr auf Prozessen der Energie- und Hochtemperaturstoffumwandlung, Brennprozessen, Hochtemperaturprozessen für die stoffliche Verwertung von Kunststoffen und auf der Bedeutung der Industrie 4.0 für die Hochtemperaturtechnik. Beitragseinreichung bis 31. Dezember 2018


27.-29. Mai 2019, Würzburg

Reaktionstechnik und Mehrphasenströmungen

Multiphase reaction systems are frequently encountered in chemical industries. Thus, one focus of the upcoming meeting will be laid on new insights into the complex interplay of fluid dynamics, heat and mass transport, and the intrinsic kinetics in multiphase reactors. The second focus will be set on electrochemical reaction engineering which gains more and more importance due to the constantly increasing share of electricity produced from solar and wind energy. Submit your contribution to these and other topics before 7 December 2018


Aktuelle Informationen finden Sie immer im Veranstaltungskalender unter https://processnet.org/Veranstaltungen.html

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Wenn Kollegin Siri kommt

hand-3308188_1280Wie werden Sie in 10 Jahren arbeiten? Noch schneller, noch länger, noch öfter von unterwegs? Oder werden Roboter quasi auf Zuruf einen großen Teil dessen übernehmen, was Sie heute als lästige Notwendigkeit Ihrer Arbeitszeit wahrnehmen? Oder – auch das ist schließlich denkbar – sagen die Roboter Ihnen, was Sie als nächstes zu tun haben, geben Ihnen den Arbeitsrhythmus vor und sorgen dafür, dass Sie Ihre Zeit nicht vertrödeln?

Denkbar sind beide Szenarien allemal. Eine Studie von 2013 hat viele aufgeschreckt, die bisher davon ausgegangen waren, dass ihr Arbeitsplatz sicher sei: Danach könnten in Großbritannien 47 % der Jobs der Digitalisierung zum Opfer fallen – und betroffen sind nicht nur einfache Tätigkeiten, sondern auch Aufgaben, die heute von sehr gut ausgebildeten Facharbeitern oder sogar Universitätsabsolventen ausgefüllt werden. Wer testen will, wie groß das Risiko ist, dass zukünftig ein Roboter am eigenen Schreibtisch Platz nimmt, findet bei der BBC Antworten . Demnach ist das Risiko für den „Chemical Scientist“ mit nur 6% zwar überschaubar, aber der Chemiefacharbeiter wird mit einer Wahrscheinlichkeit von 85 % wegrationalisiert werden.

Dabei sind die Hoffnungen, die mit der Digitalisierung verknüpft sind, durchaus groß. Wer hat nicht im Labor geflucht, wenn er die Tausendste Probe pipettiert oder endlose Stunden damit zugebracht hat, Zellkulturen zu sichten? Wer hätte nicht lieber vorausgewertete und grafisch aufbereitete Daten, anstatt sich mit riesigen Tabellen voller Messwerte und Standardabweichungen herumzuschlagen? Keine Frage, auch Biotechnologen, Chemiker und Verfahrensingenieure würden viele dieser Aufgaben lieber heute als morgen Siri oder Alexa überlassen.

Ein Besuch bei Morphosys in München zeigt, wie weit diese Entwicklung schon heute gediehen ist. Das Pipettieren, Picken und Aufbereiten übernehmen hier Hochdurchsatzmaschinen. Das Laborpersonal stellt die reibungslosen Abläufe sicher, überwacht die Roboter – und es bringt den kreativen Touch hinein: Denn wenn es darum geht, einen einmal gefundenen Antikörper zu optimieren, geht derzeit noch keine Künstliche Intelligenz über das Erfahrungswissen eines menschlichen Wissenschaftlers.

Und auch für die weltweite Zusammenarbeit macht man sich die Digitalisierung gerne zunutze. Große Konzerne haben längst Teile ihrer Forschung und Entwicklung an andere Standorte verlagert. Wo die kritische Masse an klugen Köpfen vor Ort nicht mehr erreicht wird, lässt sie sich durch Vernetzung wieder herstellen. Daten können gemeinsam bearbeitet werden, und dank Augmented Reality kann der Ingenieur in Pullach die Anlage in China besichtigen, ohne um die halbe Welt fliegen zu müssen.

Im jüngsten DECHEMA-Papier „Neuer Schub für die Biotechnologie“ skizzieren die Autoren, wohin die Kombination aus Automatisierung, Miniaturisierung und Digitalisierung führen kann. Dank der Kombination aus Hochdurchsatztechnologien, der enormen Beschleunigung beim Generieren von Daten und der Möglichkeit, diese mit Hilfe von Big Data und Künstlicher Intelligenz auszuwerten, kann der Wissenschaftler sich ganz darauf konzentrieren, seine Ideen zu verwirklichen – vom designten Molekül bis zum großindustriellen Produktionsprozess.

teens-629046_1280Doch wer einen Blick in die heutige Arbeitswelt wirft, den mag auch ein leichter Schauder ankommen angesichts der Vorstellung, dass Kollege Computer bald den Takt vorgibt. Schon heute fühlt mancher sich bei allen Vorteilen, die die neuen Kommunikationswege ermöglichen, als Sklave seines E-Mail-Kontos. Von der autonomen Zeitgestaltung bis zur Selbstausbeutung ist es häufig nur ein kleiner Schritt. Und die enorme Beschleunigung der Arbeitsprozesse führt statt zu mehr Raum für kreative Ideen und konzeptionelles Arbeiten eher zum Gegenteil: Hektisches Hinterherrennen hinter Routineaufgaben wird dann zum Standard und der Stapel unerledigter Mails wächst von Woche zu Woche. Gerade die „Digital Natives“, auf die feste Arbeitszeiten und ein stationärer Schreibtisch häufig wirken wie aus Großvaters Erinnerungsalbum, werden Wege finden müssen, mit diesen neuen Anforderungen umzugehen, ohne sich darin zu verlieren. Und bei allem Vertrauen in die Technik werden auch sie ein handwerkliches Grundverständnis brauchen, damit die Anlage nicht zur „Black Box“ für ihren Betreiber wird. Das richtige Maß zwischen Kompetenzvermittlung und praktischer Übung zu finden, ist für die Hochschulen und Personalabteilungen sicher eine der größten Herausforderungen für die nächsten Jahre und Jahrzehnte.

Was die Digitalisierung noch bedeutet für Wissenschaft und Produktion, für Verfahrenstechniker, Biotechnologen und Chemiker, darum geht es in der Podiumsdiskussion „Forschung und Produktion in einer globalen Welt“ am 12. September 2018 im Rahmen der ProcessNet-Jahrestagung und DECHEMA-Jahrestagung der Biotechnologen.  Wie sehen Sie die Zukunft Ihrer Branche? Teilen Sie uns Ihre Meinung mit! Wir freuen uns auf Ihren Beitrag!

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