Höhere Ressourceneffizienz durch dezentrale Produktion und Prozessintenivierung

Es gibt viele gute Gründe, den Gedanken der dezentralen (verteilten) Produktion in der chemischen Industrie umzusetzen. Hohe Kosten für den Transport von Rohstoffen sind ein wesentlicher Faktor. Einige Beispiele: Die Nutzung von Biomasse als Rohstoff für chemische Prozesse wird durch lange Transportwege schnell zum ökonomischen K.O.-Kriterium. Die Erschließung kleiner, entlegenen Erdgasvorkommen (stranded gas) gilt als uninteressant, da zu teuer. Die stoffliche Nutzung von CO2 unter Verwendung von Überschussstrom aus Windkraft muss quellennah umgesetzt werden. Viele solcher Beispiele lassen sich finden.
Das gängige Totschlagargument gegen verteilte Produktion, zumindest für großvolumige Produktionsprozesse, ist die Economy of Scale. Die Werkzeuge der Prozessintensivierung, beispielsweise die Reduzierung von Verfahrensschritten durch Integration von Reaktions- und Trennoperationen, der Einsatz mikro- und millistrukturierter Apparate mit erhöhtem Stoff- und Wärmetransport oder der Ersatz von Batch- durch kontiniuierliche Prozesse, ermöglichen dennoch den Zugang zu ökonomisch tragfähigen Lösungen.
Grob kalkuliert wird für eine dezentrale Anlage mit 1000fach geringerer Produktionskapazität ein Intensivierungsfaktor von 16 veranschlagt. Das erscheint viel, wird in guten Beispielen der Prozessintensivierung aber häufig übertroffen. In der Realität ist der genannte Faktor zudem zu hoch gegriffen, da er die Diskussion in unzulässiger Weise auf Anlagenfixkosten reduziert. Mit steigenden Rohstoff-, Energie- und Entsorgungskosten wird die effizientere Nutzung von Ressourcen zunehmend zu einem treibenden ökonomischen Faktor. Dezentrale Produktion und Prozessintensivierung gehen hier Hand in Hand.

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Eine Antwort zu Höhere Ressourceneffizienz durch dezentrale Produktion und Prozessintenivierung

  1. Eckhard Stroefer schreibt:

    Klar, die empirisch belegte Tatsache der economy of scale ist genauso ein „Totschlagargument“ wie an anderen Stellen der Verweis auf die Hauptsätze der Thermodynamik. Mikro ist kein Wert an sich, ebensowenig wie in anderen Fällen das Arbeiten im Überkritischen oder in ionischen Flüssigkeiten.
    Wie wäre es denn mit dem smarten Einsatz von Mikroreaktoren eingebettet in eine Umgebung und Infrastruktur, die die Economy of scale nutzt?!

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