Alle Cluster, ein Thema: Wissen erhalten und weitergeben

Mag ja sein, dass man heute keine Nobelpreise mehr für die Entwicklung der Chromatographie bekommt. Mag auch sein, dass bei der Entwicklung von Mühlen für Gesteine keine spektakulären Durchbrüche zu erwarten sind, sondern nur inkrementelle Fortschritte. Und es mag sein, dass es in der Forschung auch „Moden“ gibt, die nicht nur die Forschungsförderung beeinflussen, sondern auch das Design neuer Studiengänge und die Inhalte der Ausbildung.

Trotzdem müssen Ingenieure und Chemiker ihr Handwerkszeug beherrschen. Dazu gehört auch, bekannte und gut etablierte Methoden zu durchdringen, um sie in neuen Bereichen – zum Beispiel bei der Abtrennung von Produkten aus Fermentationsbrühen – anzuwenden. Der Kochlöffel mag nicht sexy sein; trotzdem muss der Koch damit umgehen können, um sein Sterne-Menü zu zaubern.

Wir laufen Gefahr, das Wissensfundament in Deutschland zu verlieren. Wir bringen den Köchen von Morgen tolle Rezepte bei, aber wenn sie nicht lernen zu rühren, wird das Essen anbrennen. Das gilt für viele Bereiche der Technischen Chemie und der Verfahrenstechnik. Chemiker und Ingenieure brauchen Grundwissen über die Konzeption von Reaktoren, über Möglichkeiten zur Stoffdurchmischung und Wärmezufuhr. Zum Beispiel zeigen sich Lücken im Bereich der Trenn- und Aufbereitungstechnik. Dabei ist ein gutes Verständnis von Trenntechniken die Grundlage dafür, dass moderne Verfahren, sei es aus der Biotechnologie oder sei es in neuen Reaktionssystemen, überhaupt wirtschaftlich umgesetzt werden können. Auch in der Sicherheitstechnik geht allmählich Wissen verloren bzw. wird nicht mehr ausgebaut – eine Lücke, die schwerwiegende Folgen haben kann.

Nachdem eine Zeitlang in Deutschland kaum mehr Rohstoffgewinnung mehr betrieben wurde, ging auch die Anzahl der montanwissenschaftlich ausgerichteten Universitäten zurück und damit einige Teilbereiche der Wissens dazu verloren – es galt als irrelevant. Doch wenn wir die Halden erschließen, Katalysatoren und Solarpanele recyceln und Urban Mining betreiben wollen, werden genau diese Kompetenzen gebraucht. Das gilt für viele Fertigkeiten, die vernachlässigt wurden, weil sie vermeintlich nicht mehr benötigt wurden. Doch: Alte Branchen machen High-Tech! Das Wissen daraus lässt sich auf aktuelle Fragestellungen übertragen.

Deshalb ist es dringend notwendig, entsprechende Kompetenzen zu erhalten und auszubauen. Dazu gehört, die Inhalte in Lehrprofilen zu erfassen und auch bei der Überarbeitung bzw. Neugestaltung von Studiengängen zu berücksichtigen. Es gehört aber auch dazu, Forschungsmittel für die vermeintlich „altmodischen“ Themen bereitzuhalten.

Die Warnung vor dem Kompetenzverlust zieht sich schon seit einiger Zeit durch die Stellungnahmen und Positionspapiere verschiedenster Fachgruppen. Wir sollten sie ernstnehmen und handeln. Die Grundlagen für Zukunftstechnologien liegen zum Teil in der Vergangenheit; wir werden sie noch brauchen.

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