Wenn Kollegin Siri kommt

hand-3308188_1280Wie werden Sie in 10 Jahren arbeiten? Noch schneller, noch länger, noch öfter von unterwegs? Oder werden Roboter quasi auf Zuruf einen großen Teil dessen übernehmen, was Sie heute als lästige Notwendigkeit Ihrer Arbeitszeit wahrnehmen? Oder – auch das ist schließlich denkbar – sagen die Roboter Ihnen, was Sie als nächstes zu tun haben, geben Ihnen den Arbeitsrhythmus vor und sorgen dafür, dass Sie Ihre Zeit nicht vertrödeln?

Denkbar sind beide Szenarien allemal. Eine Studie von 2013 hat viele aufgeschreckt, die bisher davon ausgegangen waren, dass ihr Arbeitsplatz sicher sei: Danach könnten in Großbritannien 47 % der Jobs der Digitalisierung zum Opfer fallen – und betroffen sind nicht nur einfache Tätigkeiten, sondern auch Aufgaben, die heute von sehr gut ausgebildeten Facharbeitern oder sogar Universitätsabsolventen ausgefüllt werden. Wer testen will, wie groß das Risiko ist, dass zukünftig ein Roboter am eigenen Schreibtisch Platz nimmt, findet bei der BBC Antworten . Demnach ist das Risiko für den „Chemical Scientist“ mit nur 6% zwar überschaubar, aber der Chemiefacharbeiter wird mit einer Wahrscheinlichkeit von 85 % wegrationalisiert werden.

Dabei sind die Hoffnungen, die mit der Digitalisierung verknüpft sind, durchaus groß. Wer hat nicht im Labor geflucht, wenn er die Tausendste Probe pipettiert oder endlose Stunden damit zugebracht hat, Zellkulturen zu sichten? Wer hätte nicht lieber vorausgewertete und grafisch aufbereitete Daten, anstatt sich mit riesigen Tabellen voller Messwerte und Standardabweichungen herumzuschlagen? Keine Frage, auch Biotechnologen, Chemiker und Verfahrensingenieure würden viele dieser Aufgaben lieber heute als morgen Siri oder Alexa überlassen.

Ein Besuch bei Morphosys in München zeigt, wie weit diese Entwicklung schon heute gediehen ist. Das Pipettieren, Picken und Aufbereiten übernehmen hier Hochdurchsatzmaschinen. Das Laborpersonal stellt die reibungslosen Abläufe sicher, überwacht die Roboter – und es bringt den kreativen Touch hinein: Denn wenn es darum geht, einen einmal gefundenen Antikörper zu optimieren, geht derzeit noch keine Künstliche Intelligenz über das Erfahrungswissen eines menschlichen Wissenschaftlers.

Und auch für die weltweite Zusammenarbeit macht man sich die Digitalisierung gerne zunutze. Große Konzerne haben längst Teile ihrer Forschung und Entwicklung an andere Standorte verlagert. Wo die kritische Masse an klugen Köpfen vor Ort nicht mehr erreicht wird, lässt sie sich durch Vernetzung wieder herstellen. Daten können gemeinsam bearbeitet werden, und dank Augmented Reality kann der Ingenieur in Pullach die Anlage in China besichtigen, ohne um die halbe Welt fliegen zu müssen.

Im jüngsten DECHEMA-Papier „Neuer Schub für die Biotechnologie“ skizzieren die Autoren, wohin die Kombination aus Automatisierung, Miniaturisierung und Digitalisierung führen kann. Dank der Kombination aus Hochdurchsatztechnologien, der enormen Beschleunigung beim Generieren von Daten und der Möglichkeit, diese mit Hilfe von Big Data und Künstlicher Intelligenz auszuwerten, kann der Wissenschaftler sich ganz darauf konzentrieren, seine Ideen zu verwirklichen – vom designten Molekül bis zum großindustriellen Produktionsprozess.

teens-629046_1280Doch wer einen Blick in die heutige Arbeitswelt wirft, den mag auch ein leichter Schauder ankommen angesichts der Vorstellung, dass Kollege Computer bald den Takt vorgibt. Schon heute fühlt mancher sich bei allen Vorteilen, die die neuen Kommunikationswege ermöglichen, als Sklave seines E-Mail-Kontos. Von der autonomen Zeitgestaltung bis zur Selbstausbeutung ist es häufig nur ein kleiner Schritt. Und die enorme Beschleunigung der Arbeitsprozesse führt statt zu mehr Raum für kreative Ideen und konzeptionelles Arbeiten eher zum Gegenteil: Hektisches Hinterherrennen hinter Routineaufgaben wird dann zum Standard und der Stapel unerledigter Mails wächst von Woche zu Woche. Gerade die „Digital Natives“, auf die feste Arbeitszeiten und ein stationärer Schreibtisch häufig wirken wie aus Großvaters Erinnerungsalbum, werden Wege finden müssen, mit diesen neuen Anforderungen umzugehen, ohne sich darin zu verlieren. Und bei allem Vertrauen in die Technik werden auch sie ein handwerkliches Grundverständnis brauchen, damit die Anlage nicht zur „Black Box“ für ihren Betreiber wird. Das richtige Maß zwischen Kompetenzvermittlung und praktischer Übung zu finden, ist für die Hochschulen und Personalabteilungen sicher eine der größten Herausforderungen für die nächsten Jahre und Jahrzehnte.

Was die Digitalisierung noch bedeutet für Wissenschaft und Produktion, für Verfahrenstechniker, Biotechnologen und Chemiker, darum geht es in der Podiumsdiskussion „Forschung und Produktion in einer globalen Welt“ am 12. September 2018 im Rahmen der ProcessNet-Jahrestagung und DECHEMA-Jahrestagung der Biotechnologen.  Wie sehen Sie die Zukunft Ihrer Branche? Teilen Sie uns Ihre Meinung mit! Wir freuen uns auf Ihren Beitrag!

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Impressionen vom 50. Jahrestreffen Deutscher Katalytiker

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Hannover Messe 2017: ZVEI, NAMUR und ProcessNet präsentieren Konzepte für die flexible Chemiefabrik der Zukunft

Eine Chemiefabrik aus einzelnen Komponenten, die schnell und flexibel immer neu kombiniert werden können, das präsentieren NAMUR, ZVEI und ProcessNet im Rahmen der Sonderschau „Modulare Produktion“ vom 24. bis 28. April 2017 auf der Hannover Messe. Gemeinsam mit zwölf Unternehmen stellen sie in Halle 11, Stand D44 unter dem Motto „Process INDUSTRIE 4.0: The Age of Modular Production“ unter anderem eine Chemieanlage im Container sowie Software für die Automatisierung vor.

In der chemischen und pharmazeutischen Industrie wachsen die Anforderungen an Flexibilität, individuellere Produkte und schnellere Produkteinführungszeiten. Konventionelle Anlagen sind diesen Herausforderungen nicht gewachsen. Immer mehr Ausrüster, aber auch die Chemie- und Pharmaunternehmen selbst, arbeiten deshalb an der Entwicklung von modularen Konzepten für Neuanlagen sowie Anlagenerweiterungen. Aus einzelnen „Bausteinen“ mit unterschiedlichen Funktionen lassen sich die Anlagen schnell immer wieder neu zusammenstellen, um unterschiedlichste Produktionsverfahren abzubilden. Grundlage dafür sind robuste und gleichzeitig intelligente Komponenten wie Pumpen, Chemiereaktoren, Destillations- oder Extraktionsmodule und andere, die über moderne Mess- und Automationstechnik verknüpft und gesteuert werden.

Organisiert wird der Gemeinschaftsstand vom ZVEI – Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie. Unterstützung kommt von der NAMUR – Interessengemeinschaft Automatisierungstechnik der Prozessindustrie, in der Anwender von Automatisierungstechnik in der Prozessindustrie organisiert sind,  und der Initiative ProcessNet von DECHEMA und VDI, die Forscher und Entwickler vereint. Außerdem beteiligen sich die Unternehmen ABB, Emerson, Endress+Hauser, Festo, HIMA, Phoenix Contact, R.Stahl, Samson, Siemens, Spiratec, Wago und Yokogawa mit Exponaten und Lösungen.

Wie der Temporäre ProcessNet-Arbeitskreis in dem White Paper „Modular Plants“ Anfang des Jahres feststellte, ist die standardisierte Beschreibung von Komponenten eine wesentliche Voraussetzung für die Umsetzung modularer Konzepte. Seit 2015 arbeiten die ZVEI-Arbeitsgruppe „Modulare Automation“ und der NAMUR-Arbeitskreis „Automatisierung modularer Anlagen“ gemeinsam an der Spezifikation einer herstellerneutralen Beschreibung von Modulen.

Flyer zum Messestand

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Vortrags- und Posterpreise beim Jahrestreffen der Fachgruppe Agglomerations- und Schüttguttechnik

Der Vortragspreis der Fachgruppe Agglomerations- und Schüttguttechnik wurde an Britta Buck, TU Hamburg-Harburg, für die Präsentation ihrer Arbeit mit dem Titel „Comparison of experimental and numerical investigation of wet particle-wall collisions“ verliehen.

Der Posterpreis der Fachgruppe Agglomerations- und Schüttguttechnik wurde an Steffen Beitz, TU Braunschweig, für die Präsentation seiner Arbeit mit dem Titel “ Fließverhalten von Schüttgütern mit großem Partikelaspektverhältnis“ verliehen.

Mehr zum Jahrestreffen 2017

Zur ProcessNet-Fachgruppe Agglomerations- und Schüttguttechnik

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Ressourcen und Rohstoffwandel – Was kann die Reaktionstechnik zur Sicherung unserer Zukunft leisten?

Nachwuchswissenschaftler aus ganz Deutschland trafen sich zur NaWuReT-Summerschool in Bayreuth

Dr.-Ing. Florian Heym, Chemische Verfahrenstechnik, Universität Bayreuth   

Die Verfügbarkeit von Ressourcen ist für die chemische Industrie von zentraler Bedeutung. Deshalb stellt sie der Rohstoffwandel vor große Herausforderungen. Die Umsetzung unterschiedlichster Rohstoffe stellt dabei hohe Anforderungen an die Reaktionstechnik. Zu dieser Thematik veranstaltete der Nachwuchs der ProcessNet-Fachgruppe Chemische Reaktionstechnik (NaWuReT) vom 25.-27. September die Summerschool „Beiträge der Reaktionstechnik zur Bewältigung von Ressourcenknappheit“ in Bayreuth. 32 Nachwuchswissenschaftler der Fachrichtungen Chemieingenieurwesen, Verfahrenstechnik und Technische Chemie und 8 Referenten aus Industrie und Wissenschaft teilten dabei ihre Ansichten und Visionen hinsichtlich der zukünftigen „Welt 3.0“.

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NaWuReT-Summerschool 2016 – Teamarbeit © F.Heym

Im Fokus standen die kritische Auseinandersetzung mit dem Fachgebiet Reaktionstechnik, den eingesetzten Methoden und Verfahren sowie dem derzeitigen und zukünftig zu erwartenden Rohstoffwandel und seinen Folgen für die Energiebereitstellung und die chemische Industrie. Dazu fanden Impuls- und Diskussionsvorträge aus Industrie und Akademia zum Thema Ressourcen, Ressourcenknappheit und Rohstoffwandel sowie intensive Teamarbeit statt. Im Laufe der Summerschool wurde den Teilnehmern klar, dass weltweit kurz- und mittelfristig keine direkte Ressourcen-/Rohstoffknappheit für die Chemische Industrie vorliegt. Die lokale Ungleichverteilung von Rohstoffen, Energieengpässe aufgrund weltweiter Klimaschutzziele, Änderungen in Rohstoffen im petrochemischen Bereich sowie die Flexibilisierung der technischen Anlagen als Folge daraus stellen die große Herausforderung der Reaktionstechnik in der Zukunft dar.

Prof. G. Schaub (KIT Karlsruhe): „Sowohl am geselligen Abend wie in der Sitzung am Vormittag hatte ich den Eindruck einer sehr lebendigen und engagierten Gesellschaft. Die Summerschool erfüllt offensichtlich den beabsichtigten Zweck, Erfahrungen in eigenen Forschungssituationen und reaktionstechnischen Arbeitsgebieten auszutauschen und im Hinblick auf vorgegebene allgemeine Aspekte wie beispielsweise die Ressourcenschonung zu diskutieren. Mein kurzer Besuch bei den jungen Wissenschaftlern war sehr erfreulich“

Die 32 Teilnehmer aus ganz Deutschland stellten sich parallel zum Vortragsprogramm in sechs Teams der herausfordernden Fragestellung: „Was ist der wichtigste Beitrag der Reaktionstechnik zur Vermeidung von Ressourcenknappheit?“. Diese Fragestellung wurde mit enormem kreativen Potential und Engagement bearbeitet. Als Preis gewann das beste Team das Lehrbuch „Chemical Technology“ von A. Jess und P. Wasserscheid sowie die Teilnahme am Jahrestreffen Reaktionstechnik 2017 in Würzburg.

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NaWuReT- Summerschool 2016 – Gewinnerteam in Aktion © F.Heym

Das Gewinnerteam illustrierte auf kreative Weise, warum ein Urzeitmensch schon mit Ressourcenknappheit zu kämpfen hatte und dass die ersten Reaktionstechniker schon vor vielen tausenden von Jahren den Grundstein für den wohl wichtigsten Beitrag der Reaktionstechnik zur Vermeidung von Ressourcenknappheit gelegt haben. Wer mehr dazu erfahren möchte ist herzlich dazu eingeladen, das Gewinnerteam an seinem Poster auf dem Jahrestreffen Reaktionstechnik 2017 zu besuchen.

Prof. H Zanthoff (Evonik, Marl): „Nachwuchsförderung und Vernetzung in der Reaktionstechnik sind entscheidende Erfolgsfaktoren für eine effektiv funktionierende Forschung und Entwicklung an der Hochschule und in der Industrie. Die Summer School trägt dazu bei. In zwangloser Runde werden Fragestellungen zu aktuellen Themen der Reaktionstechnik fokussiert diskutiert und so der Informationsaustausch zwischen Hochschule und Industrie gefördert. Gut ausgebildete technische Chemiker und Chemie-Ingenieure sind gefragte Kandidaten für Positionen in Forschung, Entwicklung und Produktion der chemischen Industrie. Interessant und wichtig war für mich auch der Ansatz, im Rahmen der Summer School auch methodische Aspekte jenseits der klassischen Reaktionstechnik vorzustellen, zu diskutieren und anzuwenden.“

Die Umsetzung der diesjährigen Summerschool wurde durch die finanzielle und organisatorische Unterstützung der DECHEMA und die finanzielle Unterstützung der Firmen Clariant und Evonik ermöglicht. Hierfür vielen Dank auch im Namen aller Teilnehmer.

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NaWuReT-Summerschool 2016 – Gruppenfoto © F.Heym

Vorträge

  1. Burger (TU Kaiserslautern)
  2. Datsevich (Universität Bayreuth)
  3. Lade (Clariant GmbH)
  4. Schaub (KIT Karlsruhe)
  5. Zanthoff (Evonik Technology and Infrastructure GmbH)

Organisationsteam

  1. Heym (Universität Bayreuth)
  2. von Harbou (Universität Kaiserslautern)
  3. Ziegenbalg (Universität Stuttgart)

Zum Programm der NaWuReT-Summerschool 2016

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